Foto: dhmd.de

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Goodbye and Hello

Mit dem Ende der Ausstellung „Fast Fashion“ im MKG endet nun auch der weltbewusste Modeblog Stilbrise. Doch es gibt keinen Grund traurig zu sein. „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode“ zieht weiter und kann ab dem 5. Dezember im Deutschen Hygiene-Museum Dresden besucht werden. Weitere Infos gibts bald unter: www.dhmd.de.

Slow Fashion: YES WE ARE!

mb

Negassi – 100% Made with Love

Bisrat Negassi trägt: Kleid & Weste: NEGASSI Pulli: Maje Strumpfhose: Kunert Schuhe: Jonak Schmuck: Ringe- aus Asmara/ Eritrea vom Goldschmied

Bisrats Outfit: Rock & Weste: NEGASSI, Pulli: Maje, Strumpfhose: Kunert, Schuhe: Jonak, Schmuck: Ringe- aus Asmara/ Eritrea vom Goldschmied

Die Vorfreude über das kommende Interview ist groß, denn die eritreische Designerin Bisrat Negassi, mit ihrem gleichnamigen Label Negassi, gehört zu unseren Lieblingsdesignerinnen in Hamburg. Ihr Debüt hatte Bisrat 2004 auf der Fashion Week in Paris. Die faire und nachhaltige Herstellung von Kleidung war ihr dabei stets eine Herzensangelegenheit. Mittlerweile wohnt die Designerin in Hamburg, pendelt aber weiterhin zwischen den beiden Städten. 2013 entstand zudem das Format „Negassi Salon – fashion meets music“, bei dem unter anderem Live-Acts wie Ayo, Patrice, Astrid North und Raul Midon auftraten. Ach, und ab dem 10. November eröffnet Bisrat auch noch einen Pop-Up Store in der Weidenallee 57 (Hamburg/Schanze)! Doch nun geht’s erst mal zu unserem Gespräch über den ersten Kontakt mit Mode, Lieblingskleidung, Nachhaltigkeit in der Modewelt und vieles mehr.

links: negassi Show Altamoda Rom/ Italien, rechts: Model: Yasmen Warsame, Photograph: Björn Lux

links: negassi Show – Altamoda Rom, rechts: Model: Yasmen Warsame, Photograph: Björn Lux

Liebe Bisrat, wusstest du schon immer, dass du Modedesignerin werden möchtest?
Nein gar nicht – ich wollte so vieles werden, Ärztin, Psychologin, Architektin … es gab auch eine Phase, da wollte ich Kriegsreporterin werden. Aber alle um mich herum wussten, dass ich irgendwas mit Mode machen werde.

Und was ist deine früheste Erinnerung an Mode?
Mit 6 Jahren hatte ich eine Idee für ein Kleid – meine Mutter ging mit mir zum Schneider und er schneiderte mir das Kleid genau nach meinen Angaben – ein bodenlanges, bordeauxfarbenes Kleid mit Rüschenärmeln. Ich hab’s geliebt. Das war wohl mein erster Entwurf … und ich hätte es am liebsten nie wieder ausgezogen …

Wow! An so etwas habe ich als Kind nicht gedacht! Wie würdest du denn deinen eigenen Stil bzw. den Stil deines Labels beschreiben?
Meinen eigenen Stil würde ich als Urban-Casual-Chic beschreiben.
Auf mein Label würde das auch in etwa zutreffen, wobei es weniger Casual ist. Es ist eine transkulturelle Mode mit leichten afroasiatischen Einflüssen. Klassisch, modern & sehr tragbar, das heißt, es gibt sehr viele multiple einsetzbare Lieblingstücke.

Warum hast du dich heute für diesen Look entschieden?
Die Sachen habe ich mir heute Morgen spontan gegriffen und angezogen. Meistens ist mein Outfit stimmungsabhängig. Die Weste und der Rock sind aus meiner aktuellen Kollektion. Es sind beides Teile, die einfach zu kombinieren sind. Besonders die Weste kann ich zu jeder Gelegenheit anziehen.

Toll! Hast du auch ein absolutes Lieblingskleidungsstück, auf das du nie mehr verzichten möchtest?
Meine schwarze Negassi-Weste aus gepresster Wolle … & J E A N S J E A N S J E A N S.

Woher holst du dir Inspiration für deine Outfits/deine Mode?
Der Alltag bietet jeden Tag so viele Inspirationen: Mit Kindern spielen … Kinder sind so kreativ … Meine Familie, meine Mutter, meine Freunde, Reisen, Musik, Bücher, Filme, Tiere, Fotografie, Asmara, Paris, Château Rouge …

Und wie würdest du deine Mode in fünf Worten beschreiben?
– Transkulturell
– Lieblingsstücke
– 100% Made in Germany
– 100% Made in Love
– 100% Made in Peace

Nun sind wir natürlich auch gespannt, welche 3 Lieblingslabels du hast …
COSH Paris – ein junges Schmucklabel aus Paris, die Ohrketten des Labels (Halsketten die am Ohr befestigt sind) sehen raffiniert, dekorativ und sehr schön aus. Sie wurden von der Designerin entwickelt, weil sie sich von Halsketten immer sehr eingeengt fühlte. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.
Sansovino – das italienische Stricklabel mit Edward Buchanen als Chefdesigner. Die minimalistischen, architektonisch anmutenden Strickkollektionen sind ein Traum.
Haider Ackermann – ein großartiger Designer, von der ersten Kollektion an bin ich immer wieder über seine kunstvollen Drapierungen und seinen tollen Materialmix begeistert.

Die Modebranche gilt ja eher als oberflächlich. Sie steht nicht gerade für ökologisches und soziales Bewusstsein. Ändert sich das gerade?
Da hat sich schon einiges getan. Zum Beispiel gibt es seit einiger Zeit grüne Modemessen wie die Ethical Fashion Show Berlin und den GREENshowroom. Das ist schon sehr löblich.

Welche Nachhaltigkeitstrends siehst du derzeit in der Mode?
Vegane Mode & vegane Kosmetik!

Gehst du denn gerne shoppen?
Nur wenn ich auf Reisen bin. Am liebsten gehen ich dabei in kleine Boutiquen, wo ich dann auch noch die ein oder andere schöne Entdeckung machen kann. Sonst shoppe eher für meine Familie.

Mit welcher Mode-Ikone würdest du dich am liebsten zum Shoppen treffen?
Mit Bob Mackie (amerikanischer Mode-/Kostümdesigner)!

Welchen Trend würdest du als größten Flop bezeichnen?
Jeder Flop zum jeweiligen Zeitpunkt war für einen bestimmten Typ mal Top, wie zum Bespiel die Dauerwelle für den Mann, was ich sehr lustig finde. Was ich aber überhaupt nicht lustig finde, sind künstliche Fingernägel … im French-Maniküre Style … grrrr.

Was ist für dich die größte Modesünde?
Künstliche Fingernägel!

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Bisrat. Wir freuen uns schon auf die Eröffnung deines Pop-Up Stores am 10. November!

Weitere Infos gibt es auch unter: negassi.com.

mb

Gans im Glück – Patagonia

Foto: Patagonia, Illustration: Geoff McFetridge

Foto: Patagonia, Illustration: Geoff McFetridge

Tierfedern sind gerade in der kälteren Jahreszeit warm, kuschelig und im wahrsten Sinne des Wortes federleicht. Dennoch sind die sogenannten Daunen, also die Unterfedern in der letzten Zeit immer mehr in Verruf geraten. Die Tatsache, dass ein Teil der Federn oftmals per Lebendrupf gewonnen wird, ist nämlich leider in vielen Ländern noch gang und gäbe. In der EU ist diese qualvolle Art der Federgewinnung zwar verboten, dennoch ist es immer noch möglich, diese Federn nach Deutschland zu importieren. Um die Lieferkette der Daunen transparenter zu machen, arbeitet das Label Patagonia nun seit etwa einem Jahr mit einem Herkunftsnachweis, der beinhaltet, dass alle Daunenprodukte von Patagonia nur mit Daunen gefüllt sind, die zu 100 Prozent zurückverfolgt werden können und von Gänsen stammen, die niemals zwangsgefüttert oder lebend gerupft wurden. Der ganze Prozess ist dabei aufwendiger als man glaubt, deshalb zeigen wir euch hier die wichtigsten Daunen-Stationen von Patagonia.

Foto: Patagonia, Illustration: Geoff McFetridge

Foto: Patagonia, Illustration: Geoff McFetridge

Elterntierhaltung & Brut- und Aufzuchtbetriebe
Die Lieferkette beginnt bereits mit der Prüfung der Elterntierhaltung, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit von Lebendrupf besonders hoch. Um sicherzustellen, dass die frisch geschlüpften Küken die nächsten Monate auch artgerecht behandelt & transportiert werden, müssen die Brutbetriebe regelmäßig von unabhängigen Prüfern kontrolliert werden.

Schlachthäuse & Daunenvorbehandlung
Die Vögel der Patagonia-Lieferkette werden vor allem wegen ihres Fleisches gezüchtet. Daunen und Federn sind dabei lediglich ein Nebenprodukt. Es werden also nur Tiere verarbeitet, die ohne Zwangsfütterung und Lebendrupf für die Fleischproduktion gemästet wurden. Die Schlachthäuser müssen dabei bei Transport, Haltung und Schlachtung alle Maßnahmen zum Tierschutz respektieren. Bei der anschließenden Daunenvorbehandlung wird besonders auf die strikte Trennung zwischen Daune unklaren Ursprungs und der Patagonia-Daune geachtet.

Daunenaufbereiter & Bekleidungshersteller
Hier wird die Daune nochmals sortiert, gereinigt und sterilisiert. Gemäß dem Herkunftsnachweis wird die Patagonia-Daune dabei streng von den anderen Herstellern getrennt, um zu 100% einen lückenlosen Herkunftsnachweis zu gewährleisten. Danach wird die Daune in speziellen Säcken mit Herkunfts-ID an Patagonia geliefert und dort weiterverarbeitet. Die fertigen Produkte werden dann an die Vertriebszentren geschickt und gelangen von dort aus weiter zum Kunden.

mb

Schick geflickt: Drei Tipps, wie ihr eure Stricksachen rettet

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1. Strickpatches von purlsoho.com 2. Strickärmel via ruggedneversmooth.tumblr.com und Pulligesamtkunstwerk von Celia Pym, 3. Nadelfilz von Martha Stewart

Der November naht und so langsam werden all die dicken Wollpullis und Cardigans wieder salon- und sofafähig. Doch was, wenn der Zahn der Zeit, die ein oder andere hungrige Motte oder die Kollision mit einem Riesenkaktus unseren Stricksachen kleine oder auch größere Blessuren verpaßt haben? Weg damit in den Müll? Bitte nicht! Es gibt zum Glück verschiedene kreative Rettungsmaßnahmen, die manches Teil sogar noch schöner machen, drei davon stellen wir euch heute kurz vor:

1. Aufnäher, Patches, Applikationen

Wie auch immer man die Dinger nennen will, das Prinzip ist klar: ein bereits vorgefertigter Flicken wird über die Unglücksstelle gelegt und befestigt: meistens genäht oder aufgebügelt. Bei Stricksachen ist hier jedoch manchmal besondere Vorsicht geboten: wenn zum Beispiel das Garn gerissen ist und sich der Pulli ohne Spezialeinsatz immer weiter „auftroddelt“ oder wenn ihr ein kuschelweiches Material nicht durch einen festen Aufnäher ruinieren wollt, helfen euch eher die beiden anderen Techniken weiter. Ansonsten haben wir hier schon ein ein paar Tipps zu Patches gesammelt, flauschige Strickaufnäher wie auf unserem Bild findet ihr z.B. bei Purl Soho.

2. Strickstopfen

Der Klassiker schlechthin, um Löcher in Stricksachen verschwinden zu lassen. Hierbei kann die schadhafte Stelle entweder mit einer kleinen angedockten Webarbeit überbrückt werden oder mit dem sogenannten „Maschenstopfen“ tatsächlich neu gestrickt werden. Wer hierbei noch auf den Rat einer wissenden Oma zurück greifen kann, hat Glück, ansonsten bieten Webseiten wie Handarbeitszirkel.de, Hauswirtschaft.info und Hobbyschneiderin.net Anleitungen mit Step-Fotos, mit denen eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Trendtipp: Wer dabei auffällige, andersfarbige Wolle benutzt, macht aus dem vermeintlichen Makel gleich noch ein Slow Fashion-Statement! Unzählige Blogs und Textil-Künstlerinnen wie Celia Pym machen es vor.

hobbyschneiderin

Bild: Hobbyschneiderin.net

3. Flicken nadelfilzen

Eine andere Möglichkeit ist es, die Löcher mit der Nadelfilz-Technik auszubessern. Hierbei wird Filzwolle über das Loch gelegt und solange mit einer Nadel bearbeitet, dass die kleinen Wollhärchen eine feste Verbindung eingehen und ein haltbarer Flicken entsteht. Auch hier könnt ihr euren Strickstücken mit der richtigen Farbkombi einen neuen Look verpassen und sogar herzförmige Hingucker sind möglich. Der YouTube-Channel „One Problem less“ hat ein kleines Video-Tutorial veröffentlicht, das euch beweist, wie einfach das ganze ist:

PS: Für alle englischsprachigen unter euch: US-Housekeeping-Queen Martha Stewart erklärt beide Stopf-Techniken sowie Knopflöcher-Ausbessern und Knöpfe-Annähen hier.

ff

 

 

 

 

Stubentiger gefällig ?

Foto: pauseandplay.co.uk

Foto: pauseandplay.co.uk

Katzenfans aufgepasst! Du liebst Katzen, aber du bist gegen die süßen Vierbeiner allergisch? Oder in deiner Wohnung sind keine Stubentiger erlaubt? Dann haben wir vielleicht einen kleinen Ersatz gefunden: In dem DIY-Buch „Knit Your Own Cat“ könnt ihr euch eure niedliche Schmusekatze ganz einfach aus weicher Wolle selbst zusammenstricken. Hier gibt es unter anderem den Katzenschwerenöter Valentino, die modebewusste Kitty Kat mit üppiger Garderobe und Super Cat, den Helden mit dem roten Umhang; aber auch flauschige Katzenkinder und eine glückliche Katzenfamilie dürfen nicht fehlen. Für die Ausstattung – Kratzbaum, Bett, Bälle und Mäuse – ist ebenfalls gesorgt. Dank der genauen Anleitungen und Informationen zu Techniken und Material wird selbst Strickanfängerinnen ihr Lieblingskätzchen gelingen. Aber Achtung: Ein Kätzchen kommt selten allein ;-)!!

Foto: molliemakes.com

Foto: molliemakes.com

mb

Funny, Fair & Fancy – Frugi

Foto: welovefrugi.com

Foto: welovefrugi.com

2004 erblickte die Baby- und Kindermodemarke FRUGI das Licht der Welt – und zwar aus einem äußerst aktuellen Anlass: Lucy und Kurt Jewson konnten nämlich keine Kleidung finden, die über die dicke Stoffwindel von ihrem Sohn Tom passte. Die jungen Eltern beschossen daraufhin, ihr eigenes Label zu gründen. Heute, nach knapp 11 Jahren hat sich Frugi sogar zu Großbritanniens Top-Marke für ökologische Baby- und Kindermode gemausert. Wir finden zu Recht!

Nun zu den Fakten: Die ausgefallenen Designs werden im britischen Cornwall entwickelt und an die Firmen geschickt, welche im Auftrag von Frugi produziert werden. Die Kollektionen werden dann in Indien, der Türkei und in Portugal angefertigt. Die hierfür verwendete Bio-Baumwolle wird von Kooperativen in Indien angebaut, welche nicht nur auf den Einsatz von Pestiziden und andere Agrarchemikalien verzichten, sondern auch einen fairen Lohn bekommen.

Die komplette Kleidung von Frugi wird durch die Control Union und nach GOTS-Standards (Global Organic Textile Standard) zertifiziert. Wenn neue Lieferanten aufgenommen werden, legt Frugi wert auf die SA8000 Zertifizierung, welche für hohe internationale Arbeitsstandards steht und noch über die Sozialstandards des GOTS hinausgeht.

Zudem legt Frugi nicht nur Wert auf faire und soziale Anbaumethoden und Fertigung, sondern unterstützt auch weitere Projekte wie zum Beispiel das Growing Hope Project. Frugi ermöglicht dabei Bio-Baumwolle Bauern in Benin, Westafrika, einen Weg zu ökologisch Farmen ohne den Einsatz von Chemikalien und Pestiziden. We love!

mb

 

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Sale Ends Today

Die Arbeit „Sale Ends Today“ stammt von dem britischem Streetart-Künstler Banksy. Mit seinen Schablonengraffiti nutzt er unter anderem Taktiken der Kommunikationsguerilla und der Adbusters, um eine alternative Sichtweise auf politische und wirtschaftliche Themen zu bieten. Er verändert und modifiziert dabei oftmals bekannte Motive und Bilder. Die Identität und der wirkliche Name des Künstlers sind bis heute geheim.

mb

Ausbeutung in Bildern

Das Nachhaltigkeitsportal Utopia hat vor Kurzem 12 Bilder veröffentlicht, die uns den absoluten Irrsinn der heutigen Konsumwelt noch mal deutlich vor Augen führen. Zu der illustrierten T-Shirt-Grafik, die zeigt, wer alles an so einem Teil verdient, schreibt Autor : Wer träumt da nicht von einem Job an der Nähmaschine …

Foto: Utopia.de via Instagram

Foto: Utopia.de via Instagram

Die vollständige Liste der Bilder könnt ihr euch hier anschauen: news.utopia.de.

mb

Qualität als Grundbedürfnis!

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William Morris, Dekorationsstoff Strawberry Thief, London, 1883, Ausführung: Morris & Co., Merton Abbey/Surrey, 1883, Baumwollgewebe, Indigo-Ätzdruck, im Handdruck mit Modeln 3-farbig bedruckt L. 518 cm, B. 98 cm, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Im Rahmen von „Fast Fashion“ beschäftigen wir uns seit Monaten mit der Frage nach langlebigen Produkten, fairen Arbeitsbedingungen und Umweltbewusstsein in Zeiten von Massenproduktion und Preiskämpfen auf dem globalen (Mode-)Markt. Hochaktuell und dennoch nichts neues – schon seit rund 100 Jahren beschäftigen sich Designer mit genau diesen Themen. Im 19. Jahrhundert konnten im Zuge der Industrialisierung  Waren plötzlich in großen Mengen und quasi am laufenden Band hergestellt werden. Das Prinzip Quantität vor Qualität trat dabei immer stärker in den Vordergrund, sodass schon bald eine Gegenbewegung zu der kommerziellen Ausrichtung von Massenwaren entstand. Die sogenannte Arts and Crafts Bewegung hatte sich sogar das Ziel gesetzt, das Kunsthandwerk wiederzubeleben und zu reformieren. Menschenwürdige Produktionsbedingungen und ein verantwortungsbewusster Umgang mit Materialien inklusive.

Eine Schlüsselfigur dieser sozialkritischen Bewegung war der Kunsthandwerker, Architekt, Dichter und Unternehmer William Morris. 1861 gründete er die Firma Morris, Marshall & Faulkner, die sich ausdrücklich gegen die sterile Hässlichkeit maschinell erzeugter Produkte wandte und stattdessen nach höchsten handwerklichen Qualitätsmaßstäben Textilien, Bücher, Tapeten und Möbel herstellte und vertrieb. In seinem utopischen Roman „News from Nowhere“ beschrieb er zudem das Bild eines Lebens ohne soziale Unterschiede, im Grünen, inmitten handgefertigter Waren. Denn da Morris ein leidenschaftlicher Anhänger des revolutionären Sozialismus war, wollte er natürlich auch für jedermann erschwingliche Waren von höchster Schönheit und Langlebigkeit herstellen. Diese Idee war jedoch zum Scheitern verurteilt, denn auch damals waren exklusive, handgefertigte Waren teuer, und Morris war nicht in der Lage, die Preise zu senken.

Dennoch sind die Gedanken der Art and Crafts Bewegung gerade in der heutigen Zeit absolut präsent, denn umgeben von Fast Fashion ist die Qualität von Waren für viele Menschen wieder zum Grundbedürfnis geworden. Handmade vor Kinderarbeit und Slow Fashion statt Fast Fashion ist en vogue. Auch andere gesellschaftliche Bewegungen finden ihren Ursprung in der Zeit um 1900: Vegetarismus, Freikörperkultur, Psychoanalyse, die Sehnsucht der Städter nach einem „einfachen“, ursprünglichen Leben in der Natur oder in fernen Ländern – diese immer noch aktuellen Themen behandelt ab Samstag, den 17. Oktober unsere neue Sonderausstellung „Jugendstil – Die große Utopie“. Zeitgleich erstrahlt auch der Sammlungsbereich Jugendstil in neuem Glanz, hier könnt ihr Möbel, Vasen, Tapisserien und gesamte Raumensembles bestaunen (alle Fotos von Dirk Fellenberg/Martin Luther):

Die Entwürfe von Morris und anderen Jugendstil-Künstlern sind in dieser Modesaison übrigens wieder absolut im Kommen. Der New Yorker Marc Jacobs, dessen Interesse am Schaffen von Morris weit zurückreicht, verwendet seine Muster für die aktuelle Herbst/Winter-Kollektion 2015/16. Dabei werden Morris‘ florale Motive mit viktorianisch anmutenden Maxiröcken und sleeken 70s-Disco-Kleidern kombiniert.

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Marc Jacobs A/W 2015/16 Fotos: Vogue.com

 

mb/ff

Arte-Doku: Fair Handeln

Foto: © ZDF/Thomas Henk Henkel

Foto: © ZDF/Thomas Henk Henkel

Viele der in Europa verkauften Waren stammen vom anderen Ende der Welt und sind zudem erschreckend billig. Leider funktioniert dies meistens nur auf Kosten der Produzenten. Eine Alternative hierzu sind fair gehandelte Produkte. Doch was steckt tatsächlich hinter den sogenannten Fair-Trade-Produkten und sind sie eine echte Alternative zu herkömmlich produzierten Waren? Um hinter die Kulissen zu blicken, hat sich Arte gemeinsam mit Schauspieler Hannes Jaenicke aufgemacht, um „faire“ Kleinbauern, Initiativen und Produzenten auf der ganzen Welt zu besuchen. Die daraus resultierenden etwa 25-minütigen Filme zeigen, wie diese Produzenten von fairen Produkten arbeiten und wie sie leben. Teil eins der Dokureihe zeigt die Produktion von Teppichen in Nepal, im zweiten Teil besucht Jaenicke Reisbauern in Thailand, im dritten Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste. Folge Nummer vier zeigt, was der faire Handel für die Teeproduktion in Sri Lanka bedeutet und in der letzten Folge geht’s um den Bananenanbau in Peru.

Insgesamt gibt es fünf Folgen der Dokumentation, ausgestrahlt werden sie in der Woche von 12. bis 16. Oktober 2015 jeweils um 15:50 Uhr auf Arte.

Unter dem Hashtag #FairHandeln kann man Infos und Meinungen zur Dokureihe auf Twitter verfolgen. Am Donnerstag, dem 15. Oktober 2015, beantwortet Hannes Jaenicke unter diesem Hashtag auf Twitter Fragen zum Thema „Fairer Handel“.

Mehr Infos zur Dokureihe „Fair Handeln“: www.arte.tv

mb