Negassi – 100% Made with Love

Bisrat Negassi trägt: Kleid & Weste: NEGASSI Pulli: Maje Strumpfhose: Kunert Schuhe: Jonak Schmuck: Ringe- aus Asmara/ Eritrea vom Goldschmied

Bisrats Outfit: Rock & Weste: NEGASSI, Pulli: Maje, Strumpfhose: Kunert, Schuhe: Jonak, Schmuck: Ringe- aus Asmara/ Eritrea vom Goldschmied

Die Vorfreude über das kommende Interview ist groß, denn die eritreische Designerin Bisrat Negassi, mit ihrem gleichnamigen Label Negassi, gehört zu unseren Lieblingsdesignerinnen in Hamburg. Ihr Debüt hatte Bisrat 2004 auf der Fashion Week in Paris. Die faire und nachhaltige Herstellung von Kleidung war ihr dabei stets eine Herzensangelegenheit. Mittlerweile wohnt die Designerin in Hamburg, pendelt aber weiterhin zwischen den beiden Städten. 2013 entstand zudem das Format „Negassi Salon – fashion meets music“, bei dem unter anderem Live-Acts wie Ayo, Patrice, Astrid North und Raul Midon auftraten. Ach, und ab dem 10. November eröffnet Bisrat auch noch einen Pop-Up Store in der Weidenallee 57 (Hamburg/Schanze)! Doch nun geht’s erst mal zu unserem Gespräch über den ersten Kontakt mit Mode, Lieblingskleidung, Nachhaltigkeit in der Modewelt und vieles mehr.

links: negassi Show Altamoda Rom/ Italien, rechts: Model: Yasmen Warsame, Photograph: Björn Lux

links: negassi Show – Altamoda Rom, rechts: Model: Yasmen Warsame, Photograph: Björn Lux

Liebe Bisrat, wusstest du schon immer, dass du Modedesignerin werden möchtest?
Nein gar nicht – ich wollte so vieles werden, Ärztin, Psychologin, Architektin … es gab auch eine Phase, da wollte ich Kriegsreporterin werden. Aber alle um mich herum wussten, dass ich irgendwas mit Mode machen werde.

Und was ist deine früheste Erinnerung an Mode?
Mit 6 Jahren hatte ich eine Idee für ein Kleid – meine Mutter ging mit mir zum Schneider und er schneiderte mir das Kleid genau nach meinen Angaben – ein bodenlanges, bordeauxfarbenes Kleid mit Rüschenärmeln. Ich hab’s geliebt. Das war wohl mein erster Entwurf … und ich hätte es am liebsten nie wieder ausgezogen …

Wow! An so etwas habe ich als Kind nicht gedacht! Wie würdest du denn deinen eigenen Stil bzw. den Stil deines Labels beschreiben?
Meinen eigenen Stil würde ich als Urban-Casual-Chic beschreiben.
Auf mein Label würde das auch in etwa zutreffen, wobei es weniger Casual ist. Es ist eine transkulturelle Mode mit leichten afroasiatischen Einflüssen. Klassisch, modern & sehr tragbar, das heißt, es gibt sehr viele multiple einsetzbare Lieblingstücke.

Warum hast du dich heute für diesen Look entschieden?
Die Sachen habe ich mir heute Morgen spontan gegriffen und angezogen. Meistens ist mein Outfit stimmungsabhängig. Die Weste und der Rock sind aus meiner aktuellen Kollektion. Es sind beides Teile, die einfach zu kombinieren sind. Besonders die Weste kann ich zu jeder Gelegenheit anziehen.

Toll! Hast du auch ein absolutes Lieblingskleidungsstück, auf das du nie mehr verzichten möchtest?
Meine schwarze Negassi-Weste aus gepresster Wolle … & J E A N S J E A N S J E A N S.

Woher holst du dir Inspiration für deine Outfits/deine Mode?
Der Alltag bietet jeden Tag so viele Inspirationen: Mit Kindern spielen … Kinder sind so kreativ … Meine Familie, meine Mutter, meine Freunde, Reisen, Musik, Bücher, Filme, Tiere, Fotografie, Asmara, Paris, Château Rouge …

Und wie würdest du deine Mode in fünf Worten beschreiben?
– Transkulturell
– Lieblingsstücke
– 100% Made in Germany
– 100% Made in Love
– 100% Made in Peace

Nun sind wir natürlich auch gespannt, welche 3 Lieblingslabels du hast …
COSH Paris – ein junges Schmucklabel aus Paris, die Ohrketten des Labels (Halsketten die am Ohr befestigt sind) sehen raffiniert, dekorativ und sehr schön aus. Sie wurden von der Designerin entwickelt, weil sie sich von Halsketten immer sehr eingeengt fühlte. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.
Sansovino – das italienische Stricklabel mit Edward Buchanen als Chefdesigner. Die minimalistischen, architektonisch anmutenden Strickkollektionen sind ein Traum.
Haider Ackermann – ein großartiger Designer, von der ersten Kollektion an bin ich immer wieder über seine kunstvollen Drapierungen und seinen tollen Materialmix begeistert.

Die Modebranche gilt ja eher als oberflächlich. Sie steht nicht gerade für ökologisches und soziales Bewusstsein. Ändert sich das gerade?
Da hat sich schon einiges getan. Zum Beispiel gibt es seit einiger Zeit grüne Modemessen wie die Ethical Fashion Show Berlin und den GREENshowroom. Das ist schon sehr löblich.

Welche Nachhaltigkeitstrends siehst du derzeit in der Mode?
Vegane Mode & vegane Kosmetik!

Gehst du denn gerne shoppen?
Nur wenn ich auf Reisen bin. Am liebsten gehen ich dabei in kleine Boutiquen, wo ich dann auch noch die ein oder andere schöne Entdeckung machen kann. Sonst shoppe eher für meine Familie.

Mit welcher Mode-Ikone würdest du dich am liebsten zum Shoppen treffen?
Mit Bob Mackie (amerikanischer Mode-/Kostümdesigner)!

Welchen Trend würdest du als größten Flop bezeichnen?
Jeder Flop zum jeweiligen Zeitpunkt war für einen bestimmten Typ mal Top, wie zum Bespiel die Dauerwelle für den Mann, was ich sehr lustig finde. Was ich aber überhaupt nicht lustig finde, sind künstliche Fingernägel … im French-Maniküre Style … grrrr.

Was ist für dich die größte Modesünde?
Künstliche Fingernägel!

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Bisrat. Wir freuen uns schon auf die Eröffnung deines Pop-Up Stores am 10. November!

Weitere Infos gibt es auch unter: negassi.com.

mb